Im Sommer 2014 trat Hergé mit einer echten Showeinlage in mein Leben: Als Wassersportlerin suchte ich einen Hund, der keine Angst vor Wasser hat. Also stürzte er sich, während unseres Probespaziergangs, todesmutig in die Fluten des Jungfernbachs, um sich dann in den folgenden Jahren bei jedem Regenspaziergang an die geschützteren Hauswände zu drücken. Dennoch, sollten wir für die nächsten 12 Jahre unzertrennlich sein!
In den ersten Wochen lernte ich einen Hund kennen, der es nicht nur peinlichst vermied, mit Wasser in Berührung zu kommen, sondern auch unter seinem oberflächlichen Selbstbewusstsein viele Unsicherheiten und Ängste verbarg. Er war mein stiller Begleiter, der vorsichtig durch die Welt tapste und wir gaben uns gegenseitig Halt. Er lernte, dass nicht alle Männer böse sind - ich fand hilfsbereite Nachbarn, er lernte spielen - ich wuchs an Selbstvertrauen, er lernte bellen - ich hatte meinen stillen Schatten abgelegt und dafür einen Hund bekommen, … Mit Stolz denke ich an den Moment zurück, an dem er mich das erste Mal selbst aufforderte, mit ihm zu spielen.
Gemeinsam bereisten wir Europa im Kleinwagen-Camper, machten Wanderungen und Fahrradtouren. Er liebte Schnee- und Strandspaziergänge, vor allem wenn er sich ausgiebig mit Sand panieren konnte. Während eines Erasmus-Aufenthalts erfuhr er die Vorzüge der Hundefreundschaften und machte von da an keinen Bogen um, sondern eine gerade Linie hin zu anderen Hunden.
In 2022 kam dann auch noch ein Herrchen dazu, das Hergé schnell ins Herz schloss, vor allem wegen der vielen Schmecker, die Herrchen bereit hielt. Liebe geht bekanntlich durch den Magen!
Mit steigendem Alter wurde der Garten der Mittelpunkt seines kleinen Hundelebens. Spaziergänge waren einfach nicht mehr so gut zu bewältigen, dagegen war es viel angenehmer sich im Tomatenhaus die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen.
Ob er wirklich 17 Jahre alt war, hat er uns bis zum Schluss nicht verraten, dennoch haben wir unseren „alten Stinker“ bis zum Schluss so gut wie es ging in seiner Rente verwöhnt.
Er fehlt uns sehr und wir hoffen, dass er jetzt an einem besseren Ort ist.
Marthe und Oli
PS: An einem besonders heißen Tag im Sommer in 2018 machte er aber noch sein „Seepferdchen“. Mit mir gemeinsam schwimmen wollte er aber nicht - einer muss schließlich der Bademeister sein.

