„Wenn die Sonne des Lebens untergeht, leuchten die Sterne in dir, als wär’s ein Versprechen auf Morgen.“
Antoine de Saint-Exupéry
Lieber Sam,
am 01.11.2021 kamst du mit noch nicht mal 1,5 Jahren zurück zu uns ins Tierheim, da du in deinem Zuhause einen Beschützerinstinkt entwickelt hast und diesen auch gezeigt hast. Besucher durften nicht mehr ins Haus kommen. Als du wieder bei uns warst, warst du sehr verunsichert und hattest auch Angst. Eine Kollegin hat dir einen Maulkorb angepasst, da du, sobald man dir den Rücken zugedreht hat, diese Chance genutzt hast, um einem zu sagen, dass du ihn nicht magst.
Nach ein paar Wochen durfte ich dich das erste Mal von nahem kennenlernen und was soll ich sagen?! Ich mochte dich von Anfang an. Es heißt, dass man einen Hund im Leben hat, bei dem man sagt, er sei wie ein Seelenhund - und so erging es mir bei dir. Ich habe dich gesehen und hatte irgendwie das Gefühl, es sei eine Verbindung zwischen uns beiden. Du hast nie versucht, nach mir zu schnappen oder ähnliches. Egal, ob es dir schlecht ging oder ich mit dir beim Tierarzt war. Auf unseren Spaziergängen oder auch, wenn du dir nicht sicher warst, hast du bei mir Schutz gesucht. Das hat mir immer viel bedeutet. Wir haben einiges zusammen gemacht, sei es, dass ich dich einfach in mein Auto gepackt habe und wir zum Wald gefahren sind oder eine große Gassirunde gedreht haben, bei der du immer, wenn es das Wetter zugelassen hat, im Bach baden durftest. Dieser Anblick hat mich immer zum Schmunzeln gebracht, wie du so losgelöst und happy durchs Wasser gesprungen bist und ein RIESENSPAß hattest.
Mit dir konnte man auch jeden Scheiß machen, sei es Weihnachtsmützen, Hasenohren oder ein Haarreif zu Halloween aufsetzen. Wen habe ich denn jetzt, der so ein Quatsch mitmacht?! Es hat mir viel Spaß gemacht, dir und deiner Freundin Sonia dabei zuzusehen, wie ihr wie zwei Bären „gekämpft“ habt, aber natürlich nur wenn ihr auch Zuschauer hattet…….ohne ist es ja auch langweilig!
Du warst manchmal auch ein kleiner Esel, was das Gassigehen mit dir unbekannten Gassigehern betrifft, aber ich glaube, du warst dir auch bewusst, dass man 30 kg nicht so leicht wieder zum Laufen bekommt. Und insgeheim hast du bestimmt manchmal in dich reingelacht und dich darüber lustig gemacht. Das warst du live! Und genau diese Kleinigkeiten werde ich vermissen. Du hattest immer gute Laune.
Als Erstes ist uns dann aufgefallen, dass du abgenommen hast und deine Wirbelsäule und Hüftknochen hervorstanden, aber die Wage zeigte 31 kg an, was komisch war. Als der Tierarzt das nächste Mal kam, nahmen wir dir Blut ab, um zu schauen, was deine Blutwerte sagen. Und siehe da, deine Leberwerte waren nicht in Ordnung, weshalb du Leberfutter bekommen hast und wir einen Termin zum Ultraschall der Leber gemacht haben. Der Termin war einen Tag später und es war selbstverständlich, dass ich mit dir in die Tierarztpraxis gefahren bin. Beim Ultraschall kam heraus, dass deine Gallenblase riesig war und sie sich anscheinend nicht richtig alleine entleeren konnte. Du hast Medikamente verschrieben bekommen und es sollte noch eine Röntgenaufnahme mit Kontrastmittel gemacht werden. Dies erfolgte einen Tag später, aber leider ist das Mittel nicht weitergeflossen, sondern ist nur in deinem Magen geblieben. Als der behandelnde Tierarzt die Bilder sah, war er sich nicht sicher, was die Ursache war. Daher haben wir gemeinsam beschlossen, dich zu operieren, um zu sehen, was bei dir los ist. Diese Nachricht hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen, aber es war immer noch ein kleiner Funken Hoffnung da. Letzten Mittwoch bin ich dann mit dir zum OP-Termin gefahren, vorher ging ich nochmal eine Runde mit dir spazieren bevor wir die Praxis betraten. Dort warteten wir im Wartezimmer und kuschelten noch, bis wir dran waren. Ich bin noch so lange bei dir geblieben, bis die Narkose gewirkt hat. Dann erhielten wir den niederschmetternden Anruf und diese Nachricht hat mir nicht nur traurig gemacht, sondern hat mir mein Herz gebrochen und mich am Boden zerstört, denn du hattest leider keinen Fremdkörper im Magen, wie wir gehofft hatten, sondern einen Tumor, der bis in den Darm hineingewachsen war. Leider konnte man es nicht mehr operieren, so dass wir die Entscheidung treffen mussten, dich gehen zu lassen. Du hast dir eigentlich bis zum Schluss nichts anmerken lassen, du bist halt ein „kleiner“ Kämpfer gewesen.
Eines kannst du mir glauben, du wirst immer ein RIESENPLATZ in meinem Herzen haben und ich werde dich nie vergessen. Ich werde sich auf ewig vermissen und du kannst mir gar nicht glauben, wie schwer es war am nächsten Tag fiel, an deinem ehemaligen Zwinger vorbeizugehen bzw deine Freundin Sonia (die gar nicht richtig verstanden hat, dass du nicht mehr wiederkommst) in den Auslauf zu bringen. Es wird einige Zeit dauern, bis ich so weit bin und es einigermaßen verdaut habe. Oder ich werde es vielleicht niemals verarbeiten. Du wirst deine letzte Ruhe und einen schönen Platz bei mir zuhause finden, dein Lieblings-Elefant steht dann neben dir.
Komm gut über die Regenbogenbrücke, irgendwann sehen wir uns auf der anderen Seite wieder. Ich habe dich lieb!
Deine Antonia